Jahresbericht 2021
Verkehr

Planungs- und Genehmigungsverfahren:
Corona beschleunigt, Corona bremst

Das Jahr 2021 war im Bereich der Verkehrsinfrastruktur geprägt von einer Vielzahl von Baustellen, die den in den letzten Jahren entstandenen Sanierungsrückstand belegen. Betroffen waren nicht zuletzt die Innenstädte in Aurich, Emden und Leer. In Aurich führten die Arbeiten an den Kreuzungen Pferdemarkt und Fischteich mit verbundenen Straßensperrungen zu erheblichen Belastungen auf den Umleitungsstrecken. Dort stockte der Verkehr immer wieder, was zu langen Rückstaus führte.

In Emden verzögerten sich aufgrund von bautechnischen Schwierigkeiten im Untergrund die Arbeiten an der „Trogstrecke“, womit der Bereich um den alten Binnenhafen weiter stark als Ausweichstrecke frequentiert wird. Neben der zeitlichen Verzögerung ist auch mit deutlichen Kostensteigerungen zu rechnen. Gleichzeitig zeigte auch der Verkehrsversuch in der Neutorstraße mit Einbahnstraßenregelung, dass auch kleine Eingriffe in das bestehende Straßennetz für große Auswirkungen und intensive öffentliche Diskussionen sorgen.

In Leer waren es ebenfalls Sanierungsarbeiten an Kreuzungen sowie Arbeiten am Stadtring, die den Verkehrsfluss stark beeinträchtigten. In der Ledastadt, aber auch in Aurich gab es Diskussionen um die Ausweitung des Verkehrsflächenanteils für Fahrradfahrer und eine Zurückdrängung des motorisierten Verkehrs. Von der gewerblichen Wirtschaft werden solche Überlegungen mit Blick auf die Attraktivität der Städte für Auswärtige und auf die Belieferungsmöglichkeiten eher skeptisch gesehen.

Neben den innerstädtischen Straßensanierungen führten vor allem auch die Arbeiten an der B210 zwischen Aurich und Wittmund sowie an der L1 in der Gemeinde Ihlow zu Beschwernissen und langen Ausweichstrecken.

Baustellen

Insgesamt zeigten die Baustellen, dass die vorhandene Straßeninfrastruktur nicht mit der Entwicklung des Verkehrsaufkommens in den letzten Jahren mithalten konnte und keine Reserven mehr aufweist. Jede noch so geringfügige Sperrung führt zu starken Beeinträchtigungen. Die Politik ist gefordert, wie die Leichtigkeit des Verkehrs weiterhin gewährleistet werden kann.

Bei der Friesenbrücke bei Weener tut sich nach einer langen Planungsphase auch sichtbar etwas. Im Herbst wurde mit dem Rückbau der alten Brückenreste begonnen, damit in 2022 dann der Neubau aufgenommen werden kann. Erschreckend ist hier die erhebliche prognostizierte Kostensteigerung von ursprünglich rund 30 Mio. € über 66 Mio. € auf mittlerweile über 100 Mio. €. Auch hier zeigt sich der volkswirtschaftliche Schaden durch die überlangen Planungs- und Genehmigungszeiten: Neben der erst späteren Nutzungsmöglichkeit der Strecken führen die Verzögerungen auch zu massiven Kostensteigerungen – wofür die Diskussionen um den Weiterbau der A20 und auch um den Bau der B210n Beleg sind.

Die Planungsarbeiten für die ersten beiden Abschnitte der B210n laufen im vorgesehenen Zeitkorridor weiter, stehen aber weniger im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung.

Maritime Wirtschaft

Die maritime Wirtschaft hat sich ein Stück weit von den Corona-Auswirkungen des Jahres 2020 erholt. Die Automobilumschläge im Emder Hafen stiegen wieder leicht an, wie sich auch insgesamt die Hafenumschläge wieder etwas erholten. Erfreulich war die Einweihung des neuen Stellplatzes der Anker Schifffahrt, wodurch die Umschlagsfähigkeit deutlich erhöht hat – eine Investition in die Zukunft, die hoffnungsvoll stimmt.

Die Erholung des Tourismus an der Küste und auf den Inseln führte zu einer merklichen Belebung der Personen- und Güterbeförderung über die Inselversorgungs- und Fährhäfen. In weiten Teilen des Jahres wurden die Vor-Corona-Gästezahlen erreicht, in der Sommersaison mussten sogar zusätzliche Fähren eingesetzt werden.

Schwierig bleibt die Situation im Bereich des Kreuzfahrtschiffbaus. Lange Diskussionen begleiten die Anpassungsmaßnahmen bei der Meyer Werft in Papenburg. Gleichzeitig kam es wieder zu einer Ablieferung eines technisch anspruchsvollen Neubaus; darüber hinaus arbeitet die Werft neben Kreuzfahrtschiffen auch an Planungen für andere Schiffsvarianten.

Die Tests für die flexible Tidesteuerung mittels des Sperrwerks in Gandersum haben gezeigt, dass eine Verbesserung der ökologischen Qualität der Ems erreichbar ist. Die Auswirkungen auf die Schifffahrt (Sperrungen der Durchfahrt) sowie auf den Emder Hafen (Verschlickung, Absunkproblematik beim Automobilumschlag) müssen noch minimiert werden – dazu gibt es Gespräche zwischen Bundes- und Landesbehörden sowie der Hafenwirtschaft.

Erfreulich ist die Einstellung einer Verpflichtungsermächtigung in den Landeshaushalt in Höhe von 68 Mio. €, die für die Grundsanierung der Großen Seeschleuse in Emden vorgesehen sind. Damit soll die Große Seeschleuse für die nächsten 30 Jahre fit gemacht werden.

Die Ausfälle bei der Eisenbahnklappbrücke über den Emder Binnenhafen im Herbst machen erneut deutlich, dass der Bau einer zweiten Eisenbahnklappbrücke von herausragender Bedeutung für den Emder Hafen und die touristischen Ströme zu den Inseln und an die Küste ist. Neben der politischen Zusage für dieses Vorhaben kommt es deshalb jetzt darauf an, dass die DB die konkreten Planungsarbeiten aufnimmt.

Bei der Anpassung der Fahrrinne der Außenems wird der vereinbarte Zeitplan zwischen den beteiligten Behörden eingehalten – dies bleibt mit Blick auf mögliche politische Untiefen im Jahr 2022 und folgende von hoher Bedeutung.

 

Verkehr in Kurzform

  • Sanierungsstau der letzten Jahre führt zu vielen Baustellen
  • Straßennetz hat kaum Reserven, Sperrungen bremsen den Verkehr aus
  • Langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren führen zu volkswirtschaftlichen Schäden und Kostensteigerungen
  • Maritime Wirtschaft erholt sich langsam